Aus Mikroalgen entstehen Proteine und gesunde Fette

Das EU-Projekt ALGANOVA entwickelt eine kreislauforientierte Bioraffinerie, die Mikroalgen mit biogenem CO₂ und Nebenströmen versorgt und daraus Proteine, Fettsäuren und Farbstoffe gewinnt.

Proteine, gesunde Fette und natürliche Farbstoffe sollen künftig aus derselben Algenbiomasse gewonnen werden. Dafür ist im Juni das europäische Verbundprojekt ALGANOVA gestartet. Zwölf Partner aus Forschung und Industrie wollen eine digital unterstützte Bioraffinerie entwickeln, die Mikroalgen möglichst vollständig zu Lebensmittelzutaten verarbeitet. Die Circular Bio-based Europe Joint Undertaking fördert das Vorhaben mit rund 5,7 Mio. Euro. Koordiniert wird es vom spanischen Technologieunternehmen IDENER.

Reststoffe als Algennahrung

Im Mittelpunkt stehen die Mikroalgen Chlorella vulgaris und Dunaliella salina. Das Konsortium will Nebenströme aus Landwirtschaft und Meereswirtschaft als Nährstoffquellen nutzen. Hinzu kommt biogenes CO₂ aus industriellen Prozessen. So sollen bislang wenig genutzte Stoffströme in die Produktion von Proteinen und funktionellen Lebensmittelzutaten einfließen.

Die Kultivierung wird sowohl mit Licht und CO₂ als auch mithilfe organischer Nährstoffe erprobt. Danach soll eine Abfolge von Trennschritten zunächst Proteinextrakte und anschließend mehrfach ungesättigte Fettsäuren sowie Carotinoide gewinnen. Diese Naturstoffe können unter anderem als Farbstoffe und funktionelle Zutaten dienen. Digitale Zwillinge, also virtuelle Abbilder der Bioreaktoren, sollen helfen, Wachstum, Energiebedarf und Ausbeute zu optimieren.

Vom Bioreaktor zum Lebensmittel

Das portugiesische Institut ITQB NOVA untersucht ergänzend Mikroalgen aus den Flüssen Lima, Arado und Zêzere. Analysen der Erbinformation und der Genaktivität sollen zeigen, wie die Organismen auf verschiedene Wachstumsbedingungen reagieren und welche Stämme sich für eine technische Nutzung eignen.

Bis 2030 will das Konsortium zentrale Verfahrensschritte bis zum Demonstrationsmaßstab weiterentwickeln. Geplant sind auch Lebensmittelprototypen sowie Prüfungen zu Sicherheit, Nährwert und regulatorischen Anforderungen. Zu den Projektzielen gehören mindestens 40 % weniger Treibhausgasemissionen je Kilogramm Protein und die Verwertung von bis zu 95 % der eingesetzten Nebenströme. Noch sind dies Zielmarken. Die vierjährige Projektarbeit soll zeigen, wie effizient und wirtschaftlich sich die integrierte Algen-Bioraffinerie betreiben lässt.

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